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vom Mädchenorchester in Auschwitz zur ...Bejarano-2019_3



... "Microphone Mafia" gegen Hass und Rassismus.

Bejarano-2019_2Schüler und Schülerinnen der RPS, die bei dem Schlager "Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami" aus dem Jahr 1943 mitklatschen, das erwartet man nicht. Aber Esther Bejarano zog sie zusammen mit ihrem Sohn Joram und Kutlu Yurtseven von der "Microphone Mafia" alle in ihren Bann. Diese zwei Stunden werden unvergesslich bleiben. Ermöglicht wurde die zweite Begegnung mit den Dreien, die 2015 den Ehren-Rosa-Parks-Award erhielten, durch das Kulturbüro der Stadt Herten (Sabine Weißenberg) und das Programm "Demokratie leben!".

Mucksmäuschenstill ist es, als Esther Bejarano aus ihrem Leben erzählt. Sie ist 94 Jahre alt, aber sie sagt "Ich werde so lange reden und singen, bis es auf der Welt keine Nazis mehr gibt." Energisch und mit klarer Stimme berichtet diese charismatische Frau vom Schrecken der NS-Zeit. Als Jüdin wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht, wo sie unter großen Strapazen den Schikanen der Bewacher ausgesetzt war. Doch die Musik rettete ihr das Leben:

Bejarano-2019_1„Ich hatte sehr großes Glück, dass in dem Block, in dem ich übernachtete, eines Abends Frau Tschaikowska, eine polnische Musiklehrerin, nach Frauen suchte, die ein Instrument spielen konnten. Die SS befahl ihr, ein Mädchenorchester aufzustellen. Ich meldete mich, sagte, dass ich Klavier spielen könne. Ein Klavier haben wir hier nicht, sagte Frau Tschaikowska. Wenn du Akkordeon spielen kannst, werde ich dich prüfen. Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der Hand. Ich musste alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen. Ich sagte ihr, dass ich auch Akkordeon spielen könne. Sie befahl mir, den deutschen Schlager Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami zu spielen. Ich kannte diesen Schlager, bat sie um ein paar Minuten Geduld, um mich wieder einzuspielen. Es war wie ein Wunder. Ich spielte den Schlager sogar mit Akkordbegleitung und wurde gemeinsam mit zwei Freundinnen in das Orchester aufgenommen.“

Als Mitglied des Mädchenorchesters von Auschwitz wurde sie von der Todesliste gestrichen und überlebte auch das KZ Ravensbrück. Auf einem so genannten Todesmarsch gelang ihr die Flucht und sie traf auf amerikanische und russische Soldaten, die ein Portrait Hitlers verbrannten. Diese Befreiung war für sie eine zweite Geburt und der Anlass, sich auch heute noch gegen Diskriminierung und Hass zu stellen.

Bejarano-2019_4Der Applaus zeigte, dass auch die Rosa-Parks-Schüler diese Botschaft begriffen haben. Dass Musik auch heute ein wichtiger Teil ihres Engagements ist, bewies sie zusammen mit Joram und Kutlu im zweiten Teil der Veranstaltung. Mit Liedern gegen den Krieg wie "Schalom" oder "Avanti Popolo" riefen Esther und Kutlu dazu auf, nicht zu schweigen. Kutlu rappte auf Türkisch, Deutsch, Italienisch und erinnerte an die zuschauende und johlende Menge in Hoyerswerda oder an die Taten des NSU. Er fragte "Würdet ihr aufbrechen, aus eurer Heimat weggehen, alles zurücklassen, wenn es euch gut ginge?" und ging damit auf den oft menschenunwürdigen Umgang mit Geflüchteten ein. "Wenn jemand gemobbt wird, ist nicht nur der Mobber ein Täter, sondern auch die 20 anderen, die ihn nicht gestoppt haben, die dem Opfer nicht beigestanden haben." Zusammen rollen Kutlu und Joram das Transparent "Nie wieder Krieg" aus.

Als die letzten Takte von "Bel Ami" verklingen, kennt der Beifall keine Grenzen. "Das war unglaublich" und "Ich bin so beeindruckt" sind Aussagen, die von vielen gemacht werden. Einige suchen noch das Gespräch mit Esther, Joram und Kutlu, die sicher sein können, dass sie ihr Ziel erreicht haben: das Vergangene nicht zu vergessen und heute nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschieht, so wie es Rosa Parks auch nicht getan hat.

Das schrieb die Hertener Allgemeine dazu.
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